Beinahe Kollision von LKW mit Schnellbahn

(Niederösterreich) Momente des Schreckens wird wohl jener Zugführer erlebt haben der sich am 14.3. um 11:30 Uhr mit seiner Schnellbahngarnitur der Eisenbahnkreuzung im Gemeindegebiet von Hainburg nächst Sammelzentrum an der B9 näherte, die von einem LKW vorschriftswidrig passiert wurde.

Der Signalton des herannahenden Zuges, weitete sich schier zu einem Dauerton aus, als der Lenker eines Kippladers nicht mit seinem Fahrzeug vor der Eisenbahnkreuzung stehen blieb, sondern im Schneckentempo die Gleisanlage überfuhr und offensichtlich seine Aufmerksamkeit nur den Aufräumarbeiten der Feuerwehr nach einem Verkehrsunfall widmete. Nächst dem Eisenbahnübergang kam es zuvor auf der Bundesstraße 9 zu einem VU (siehe Bericht).

Stillstand nach Notbremsung des Zuges | Foto: 2-4.co11:30:52 — Der stillstehende Zug der S7 nach der Notbremsung – der LKW wirbelte viel Staub auf als er im Eilzugstempo auf die Deponie abbog …

Laut Pressesprecher der ÖBB, DI Christopher Seif betrug die Annäherungsgeschwindigkeit der S7 an diesen Kreuzungsbereich zwischen 70-75 km/h und das Gesamtgewicht des Zuges rund 300 Tonnen. Nachdem der LKW-Lenker die Warnsignale des Zuges unbeachtet ließ, blieb dem Lokführer keine andere Möglichkeit als eine Notbremsung durchzuführen. Der Zug kam dann direkt auf der Eisenbahnkreuzung zum Stillstand. Der Lastkraftwagen eines regionalen Transportunternehmens, der durch sein Verhalten die Notbremsung auslöste, machte sich aus dem Staub und bog unmittelbar nach dem Eisenbahnübergang nach links zu einer Deponie ab.

Fahrgäste halten Ausschau nach dem Grund der Notbremsung | Foto: 2-4.co11:31:03 — Der stillstehende Zug mitten am Bahnübergang – Passagiere hielten Nachschau was die Ursache für die Notbremsung war

Die Bremsen mußten offensichtlich erst wieder gelöst werden, bevor die Fahrt des Zuges wieder aufgenommen werden konnte. Die ÖBB teilen auf Anfrage mit, daß es zu keinen Verletzten gekommen ist. Den Fahrer des Kippladers konnten wir nach dem Abladevorgang auf der Deponie befragen, wie es zu dieser hochbrisanten Situation überhaupt kommen konnte. Ein bedauernder Blick war dessen einzige Reaktion, wobei wir nicht einmal mit Sicherheit sagen können, ob er die Frage überhaupt verstanden hat. Wie sein Chef, der ebenfalls mit einem Kipplaster vor Ort war angab, sei der Lenker ungarischer Abstammung.

Der LKW beim Verlassen der Deponie an der Bundesstraße 9 | Foto: 2-4.co11:33:02 — Wir warteten bis der Kipplader wieder zur Ausfahrt der Deponie kam um ihn befragen zu können

Unachtsamkeit und Ablenkung als Unfallursache

Im Jahr 2012 kam es in Österreich im Freiland zu 4.404 Verkehrsunfällen mit Personenschaden bei denen Unachtsamkeit und Ablenkung nach Einschätzung der Polizeiorgane Hauptunfallursache waren. Diese Unfallzahl entspricht einem Anteil von 31,7% ¹.

Der LKW-Chauffeur, der die Notbremsung ausgelöst hat | Foto: 2-4.co11:33:36 — Minuten zuvor dem Tod entronnen?!

§98 Abs 2 Eisenbahnkreuzungsverordnung 2012

Ist zum Andreaskreuz das Vorschriftszeichen „Halt“ angebracht, haben die Straßenbenützer anzuhalten. Die Straßenbenützer haben sich durch Ausblick auf den Bahnkörper und, unabhängig davon, ob eine Zusatztafel „auf Pfeifsignal achten“ angebracht ist oder nicht, durch besondere Achtsamkeit auf allfällige vom Schienenfahrzeug aus abgegebene akustische Signale nach beiden Richtungen der Bahn zu überzeugen, ob sich ein Schienenfahrzeug nähert oder vor der Eisenbahnkreuzung steht und seine Weiterfahrt durch Abgabe akustischer Signale ankündigt. Nehmen die Straßenbenützer die Annäherung eines Schienenfahrzeuges aus einer der beiden Fahrtrichtungen der Bahn oder ein vor der Eisenbahnkreuzung stehendes Schienenfahrzeug, das seine Weiterfahrt durch Abgabe akustischer Signale ankündigt, wahr, darf die Eisenbahnkreuzung nicht übersetzt werden.

 

¹ Quelle: Statistik Austria

14-04-09

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