Mutmaßlicher Vergewaltiger aus Hainburg vor Gericht

(Niederösterreich) Im April 2014 berichteten wir live von einer Gerichtsverhandlung wie folgt:

Am Freitag, den 25. April 2014 hat sich ab 9 Uhr ein 50-jähriger Sexualverbrecher aus Hainburg wegen Vergewaltigung und schwerer Körperverletzung vor dem Landesgericht Korneuburg zu verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten nach umfassenden Ermittlungen der Krim-Gruppe der Polizeiinspektion Hainburg die Vergewaltigung seiner Ex-Freundin vor. Im Zuge der Tatbegehung, die aus Ermittlerkreisen als äußerst brutal beschrieben wurde, erlitt das Opfer u.a. einen Nasenbeinbruch. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Sofern die Datenleitung aus dem Landesgericht funktionieren sollte, berichten wird direkt aus Korneuburg. (Bitte aktualisieren Sie bei Interesse ab 9 Uhr den Browser, um die aktuellsten Meldungen auf dieser Seite angezeigt zu bekommen).

Staatsanwältin Gundrun Bischof und Richter Helmut Neumar | Graphik: 2-4.coStaatsanwältin Gudrun Bischof & vorsitzführender Richter Helmut Neumar

25.4.2014
09:00 Verhandlungsbeginn unter dem Vorsitz von Richter Mag. Helmut Neumar – die Staatsanwaltschaft wird von Mag. Gudrun Bischof vertreten- Saal XVII

09:20 Der Angelagte K. (Jahrgang 1964) wird lt. Anklageschrift beschuldigt, am 19.2.2014 seine vormalige Freundin Z.¹ zu vergewaltigen versucht zu haben. Dabei habe er ihr die Leggins runtergezogen, die Bluse aufgerissen, und sie zu Boden gerissen. Sie am Boden fixiert und mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen. Im Zuge der massiven Gegenwehr des Opfers kam es zu einer gegenseitigen Körperverletzung. Dem Opfer wurde ein Nasenbeinbruch zugefügt, sie wurde vom Angeklagten in die Brust gebissen. Die Vergewaltigung kam nur wegen der starken Gegenwehr des Opfers und dessen Flucht nicht zu Stande.

Die Verteidigerin des Angeklagten spricht von Streitigkeiten innerhalb der Beziehung, die zwischen Angeklagten und Opfer eskalierte. Die Körperverletzung wird eingestanden, die versuchte Vergewaltigung in Abrede gestellt.

09:32 Der Angeklagte streitet bei seiner Einvernahme ein sexuell orientiertes Motiv ab. Der Grund für den Biss in die Brust: „Weil sie so eine schöne Brust hat“. Es sagte aus, daß er ab einer bestimmten Menge von Alkohol ausrasten würde.

Zum Tatzeitpunkt hatte der Angeklagte 1,4‰ Alkoholgehalt – dies wurde von der Polizei festgestellt.

09:40 Richter trägt aus dem Einvernahmeprotokoll des Opfers vor. Im Zuge der Abwehrmaßnahmen des Opfers griff dieses mit dem Finger in den Mund des Angreifers, um ihm die Zahnprothese rauszuziehen.

Richter frägt den Angeklagten hinsichtlich seines Motives, wenn ein sexuelles in Abrede gestellt wird – wodurch kann der Biss in die Brust sowie das heftige Zusammendrücken der Brüste sonst motiviert sein — „Halten Sie mich für komplett [Gestik des Richters statt verbaler Äußerung]“. Richter geht die Fotos durch und schildert die Darstellungen (aus den Brüsten des Opfers trat durch die Gewalteinwirkung Blut aus).

Richter: Die Dokumentation der Lichtbilder zeigt eindeutig, daß es sich bei dem Opfer um typische Abwehrverletzungen bei sexuellen Übergriffen handelt. Auch die Verletzungen, die der Angeklagte davontrug, entsprechen den typischen Verletzungen, die durch Notwehrhandlungen entstehen.

09:50 Der Richter unterbricht die Verhandlung – er legt dem nicht geständigen Angeklagten nahe, sich mit seiner Anwältin zu beraten, da ein Geständnis einen Milderungsgrund darstellt und das bislang Aufgetischte die Situation für ihn nicht verbessern würde. Anschließend erfolgt die Einvernahme des Opfers.

09:56 Fortsetzung – der Angeklagte kommt nach der Beratung mit seiner Verteidigerin wieder in den Saal. Er bekennt sich jetzt der geschlechtlichen Nötigung für schuldig, stellt die Vergewaltigungsabsicht jedoch weiterhin in Abrede. Richter hält ihm darauf Detailangaben der Ermittlungsprotokolle der Polizei vor.

10:00 Einvernahme des Opfers unter Ausschluß der Öffentlichkeit

10:36 Zeugeneinvernahme der Polizeibeamten der PI Hainburg – Schilderung der Wahrnehmungen am Einsatzort. Das Opfer hat den Notruf veranlaßt. Das Opfer wird als „geschockt“, „durcheinander“ und „aufgebracht“ beschrieben; hat vorerst einen Transport in das Krankenhaus abgelehnt. Durch das Erscheinungsbild des Opfers war selbst die Ermittlerin der Polizei betroffen. (Blutverschmiert, zerrissene Kleidung). „Sie dürften sich nichts geschenkt haben“, so die Zeugenaussage einer erfahrenen Polizeibeamtin. „Es muß wirklich ein Kampf gewesen sein, meiner Meinung nach.“

10:47 Aufruf eines weiteren Zeugen, J. Der junge Mann, ein Bürger Hainburgs slowakischer Herkunft, war einkaufen und kam an dem Geschäft, in dem sich das Verbrechen abspielte, vorbei. Er schildert seine Wahrnehmungen, er war derjenige, den das Opfer ersuchte, die Polizei zu alarmieren.

10:52 Plädoyer der Staatsanwältin. Die Staatsanwaltschaft hält die Anklageschrift vollinhatlich aufrecht und fordert eine strafangemessene Bestrafung. Der Täter wollte lt. seiner Angaben dem Opfer nur seelische Qualen zufügen, das kann angesichts der Faktenlage nicht stimmen. Das Verletzungsbild spricht eine deutliche Sprache. Das Verfahren zeigt, daß das Opfer keinesfalls den Täter mehr „schaden“ will, als den Tatsachen entspricht. Zur Strafbemessung – eine Weisung zu einem Anti-Aggressionstraining wäre zusätzlich angebracht.

10:58 Plädoyer der Verteidigerin. Bittet nach ihren kurzen und knappen Worten letztlich um ein mildes Urteil.

11:01 – Dem Angeklagten wird das Schlußwort angeboten – er schließt sich den Worten seiner Verteidigerin an.

11:02 Das Gericht zieht sich zur Beratung zurück.

Sexualverbrecher vor Gericht  Foto: 2-4.coli. die Verteidigerin – re: der Angeklagte und noch nicht rechtskräftig verurteilte Sexualverbrecher

Urteil: 4 Monate Gefängnis + 8 Monate auf  3 Jahre Bewährung

11:23 Urteilsverkündung: Angeklagter K. wird wegen des Verbrechens der geschlechtlichen Nötigung zu einer Haftstrafe von einem Jahr verurteilt. Davon sind vier Monate Haft abzusitzen und acht Monate werden zur Bewährung auf drei Jahre ausgesetzt. Die Kosten des Verfahrens sind vom Angelagten zu bezahlen.

In der Urteilsbegründung führt Richter Neumar an, daß ein wesentliches Element die 1. Aussage des Opfers darstelle. Die sexuelle Intention des Täters wäre eindeutig gewesen. Er wollte Macht demonstrieren, sein Opfer verletzen, auch in der Intimsphäre. Er zeigte keine Reumütigkeit, einen Beitrag zur Wahrheitsfindung habe er zwar geleistet, diesen aber nur in dem Maße, als er unwiderlegbare Fakten betraf. Erschwerend wertete das Gericht die „massive Vorgangsweise“, mit der die Tat begangen wurde. Ein blutdurchtränkter BH und ein Nasenbeinbruch geben Zeugnis über den Gewalteinsatz. Das Gericht kam der Empfehlung der Staatsanwaltschaft hinsichtlich des verordneten Anti-Aggressionstrainings nicht nach. Der 50-jährige gelernte Maler habe seine Aggressionen selbst in den Griff zu bekommen. Mit der Verhängung einer unbedingten Gefängnisstrafe gilt es auch, ein Signal an die Öffentlichkeit zu senden.

Nach einer Beratung von Angeklagten und dessen Verteidigerin wurde um drei Tage Bedenkzeit gebeten. Staatsanwältin Bischof gab keine Erklärung ab. Das Urteil ist somit nicht rechtskräftig.

Wir werden in einigen Tagen unsere Leser darüber informieren, ob das Urteil angenommen oder Rechtsmittel ergriffen wurde.

Update: Urteil rechtskräftig

(6.5.14) Wie wir vom Angeklagten erfahren haben, hat er das Urteil angenommen – es ist somit rechtskräftig.

¹ Name geändert

14-04-24/25

Schreibe einen Kommentar